Wir vom Jahrgang 1991 Kindheit und Jugend
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Wenn eine Kopie das Original übertrifft
von A33RNFX2UNZ8ATJahrgangsbücher verkaufen sich immer besser. Denn wenn Zukunftsbilder immer fleckiger werden, wächst die Sehnsucht nach der guten alten Zeit. Dabei wird der Wunsch nach mehr Ordnung und Übersicht weniger durch Realitäten erfüllt als durch ein Abtauchen in die eigene Kindheit und Jugend. Kommt hinzu, dass Jahrgangsbücher beliebte Geschenkartikel sind. Der Wartberg Verlag hat diesen Markt nicht entdeckt. Aber da die Verantwortlichen genau hingeschaut haben, was man verbessern könnte, gehören die Bücher aus diesem Haus zu den besten.
Wer ein Buch dieser Gattung mit der Zahl seines Jahrgangs kauft oder erhält, möchte in erster Linie seine eigenen Geschichten wiederfinden. Und da sein autobiografisches Gedächtnis erst zu arbeiten beginnt, wenn die ersten Babyjahre bereit vorbei sind, gibt ihm das Kapitel "Das 1. bis 3. Lebensjahr" wenigstens Anhaltspunkte, was sein Unbewusstes aufgenommen hat. Ob dies tatsächlich die Mitteilung war, dass die Sommerlinde zum Baum und das Rebuhn zum Vogel des Jahres wurde oder Sarah, Laura, Anna, Kevin, Jan, Patrick und Marcel die beliebtesten Namen waren, spielt keine Rolle. Spannend ist es allemal, sich durch unbedeutende und gewichtige Ereignisse in die eigene Vergangenheit zu beamen. Zumal diese Zeitreise ja reich bebildert ist und durch den Verzicht auf Bearbeitungen im Photoshop authentisch wirkt. Die nächsten drei Lebensjahre stehen dann unter der Überschrift "Kleine Trotzköpfe und unternehmenslustige Früchtchen", aufgebaut nach dem gleichen Prinzip. Also unterhaltsame Texte, eine Chronik wichtiger Ereignisse im Umfeld, Bilder aus Tagebüchern und allen möglichen Quellen, Stars der Unterhaltungsbranche und Medienwelt sowie kleine Geschichten aus dem Leben eines Vorschulkindes. Im Kapitel "Das 7. bis 10. Lebensjahr" wird dann logischerweise das Sozialisierungssystem Schule ins Zentrum gerückt, wobei auch dieses biografische Kuchenstück mit Rosinen aus allen möglichen Schubladen garniert wird. Die Headline "Null-Bock-Mentalität und Mattscheibenmarathon" signalisiert den Eintritt in die Pubertät und damit das 11. bis 14. Lebensjahr. Fortsetzung der Schulerlebnisse, Computer, Terroranschläge, Amokläufe, Seifenopern, Castingdramen und Liebeskummer gehören zu den Stationen des 91er-Jahrgangs. Und danach geht es "Mit Vollgas in die Volljährigkeit", also bis zum 18. Lebensjahr.
Mein Fazit: Es lohnt sich auf jeden Fall, auf einen Kino- und Starbucksbesuch zu verzichten, falls man 1991 in diese Welt trat und noch niemand auf die Idee kam, dieses Buch zu verschenken. Zumal Handykameras ja erst später aufkommen und Familienchroniken den Platz streitig machen. Unterhaltsame und abwechslungsreiche Texte, Bildmaterial aus unterschiedlichsten Quellen und ein kluges Konzept machen diese Jahrgangsbücher zu kleinen Ereignissen.